Hallo, ich bin Anfang 30. Das erste Mal, dass ich in meinem Leben bewusst Möbel ausgesucht und gekauft habe, war zum Auszug aus meinem Elternhaus nach dem Abitur. Gemeinsam mit meiner Mutter haben wir im Ikea-Katalog geblättert und mein neues 14qm großes WG-Zimmer in einer typischen deutschen Studentenstadt ausgewählt. Damals rief man noch bei Ikea an, um seine Bestellung aufzugeben, was wir heute über den Onlineshop machen.

Früher war Möbel kaufen zu Ikea gehen

Meine neuen Kommilitonen hatten die gleichen Möbel, wie ich. Ob BWL-, Medizin oder Sozialpädagogik: alle Standardwerke standen im Billy-Regal; mal in Weiß, mal in Grau. Gelernt wurde wahlweise in der Bibliothek oder – wenn die Zimmergröße es zuließ – auf Klippan, sonst diente Poäng treu und irgendwie ja auch bequem. Musste für die WG-Party noch Geschirr ausgeliehen werden, war dies kein Problem: 365 hatte jeder!

Wann individualisiert sich das Möbel kaufen

Heute wo wir alle die ersten Berufsjahre hinter uns haben und etwas komfortabler wohnen, als damals als Studenten, erweitert sich der Horizont.

Möbel werden auf einmal nicht mehr nur stationär gekauft. Sondern sollen eine ganze Lebensphilosophie ausdrücken. Wer diese klar abstecken kann, weiß wo er nun zu suchen hat. Wahlweise auf Flohmärkten und bei Ebay-Kleinanzeigen: denn für viele soll das Motto der Möbel „gebraucht“ sein. Modernes Recycling beginnt im eigenen Wohnzimmer. In ist es entweder hippe alte und gebrauchte Möbel zu kaufen. Oder zumindest welche, die so aussehen. Am liebsten steht in jung-modern-bürgerlichen Wohnzimmern nun ein abgebeizter Couchtisch, ein raffiniertes Designermöbel oder schlichte Bauhaus Lampen.

Qualität beim Möbel kaufen ist wieder wichtig und ein zunehmend bedeutenderes Kaufkriterium. Dafür wird auch schon mal ein kleiner Trip unternommen in eine andere Stadt, um Möbel zu kaufen.

Oma wusste schon: weniger ist mehr

Wer hier doch die sterile Kühle bevorzugt orientiert sich eher in stylischen Designstores. Heller Boden, weiße Schränke und Wände, kaum Bilder mit maximal einem Farbimplus. Humor hat, wer hier Grau oder Beige wählt.

Natürlich sollte die Einbauküche einen Induktionsherd umfassen, der Sessel futuristisch aber auch Rückenschonend ausgerichtet und Designermöbel kinderfreundlich robust sein.

Das moderne Biedermeier ist also weiß und reduziert in seiner Ausprägung. Gezielt gesetzte Accessoires sollen den Raum attraktiv erscheinen lassen. Aber weniger ist mehr. Und wird somit auch mal wohlwollend vermieden.

Gerne wird sich dann im Lieblings-Café getroffen. Dieses überzeugt zumeist nicht mit ausgezeichneter Kaffeekultur, sondern den ausgemusterten Polstermöbeln der 70er Jahre. Es ist kaum zu glauben, dass die Polsterecke von Alfred Tetzlaff nun das Zentrum eines jeden In-Cafés bildet.

Was soll ich sagen: Möbel zu kaufen meint nicht nur den Kauf von Möbeln. Ikea reicht nicht mehr. Es geht um mehr. Selbstausdruck und Individualität werden gesucht. Geschmack ist wieder erlaubt. Geschmacklosigkeit wird geahndet. Tauchen Sie ein, in unsere Ideen von Möbeln!